Wie sich die Dinge entwickeln

Arbeiten um zu Leben… War schon immer mein Motto, wird auch immer mein Motto bleiben. Hört man diesbezüglich Vertreter anderer, nicht zwingend älterer Generationen, bekommt man oft ein Kopfschütteln als Reaktion. Man braucht doch Versicherungen, Sicherheiten, Erspartes, Geriestertes, Eigenheimiges, nicht ein Leben im heute, im jetzt und im hier… Will ich das? Wollt ihr das? Sollte man wirklich diesem ach so oft zitiertem Sinn des Lebens nachstreben? 30, Frau, Haus, Kind, Auto, Pauschalurlaub am Strand?

Es muss doch noch mehr geben? Gibt es auch! Ich mag mir nicht mit Mitte dreißig eine gnadenlos überteuerte Wohnung in mitten einer Großstadt mit einem 30.000€ teurem Tiefgaragenplatz kaufen um dazu zu gehören. Dazu zu gehören zum Hipstertum mitten im Inkiez. Arbeiten, viel arbeiten, erfolgreich und perfekt funktionieren im Job, vorankommen, befördert werden, mehr Verantwortung, mehr Geld, weniger draußen sein, weniger Nachdenken, mehr funktionieren. Etwas langsamer möchte ich, mittlere Spur, irgendwann irgendwo ankommen, entspannt, fest auf dem Boden stehend. Doch wo soll dieser Boden sein? Was bringt uns das Leben hier mitten in der Hauptstadt, frage ich mich immer öfter;

Die leckeren Cafés vor der Nase, ein geiles Restaurant neben dem anderen, die Clubs, die Parks, der Flohmarkt, die vielen „wirklichen“ Individuen, die Konzerte, die Möglichkeiten, die Auswahl, der Fluss, die Geschwindigkeit, der Rausch… oder den Krach, den Stress, die Hektik, die dich erfasst, sobald du vor die Tür trittst, den Snobismus, die Gleichschaltung des urbanen Menschen, den Geiz, die Gier, den Neid, die Coolniss, Gleichgültigkeit und Kühle.

Es ist schön in der Stadt, schön aber voller Sehnsüchte. Man ich wünschtwünsche sich mir momentan Ruhe, Natur, keinen Gestank, keinen Stress, einen Gang runterschalten nach dem Feierabend.

Leider sind all meine alten Texte aus den Jahren von 2005-2009 verloren gegangen, all die Gedanken und Geschichten, die die Stadt für mich parat hatte, die die Stadt ausgemacht haben. All die Sehnsüchte und Gefühle aus dem Leben des Studenten in der großen Stadt. Vielleicht hatte es auch Sinn, dass all das nun weg ist…

Mein Abnabelungsprozess hat irgendwie schon begonnen, bevor ich es mir durch diese Zeilen eingestanden habe…

Wie sich die Dinge entwickeln

2 Gedanken zu „Wie sich die Dinge entwickeln

  1. dfusion schreibt:

    Lieber Timo, nach 19 Umzügen bin ich nun da, wohin mich die Sehnsüchte getrieben haben… weit ab der Stadt, den Turbulenzen.
    Eine Großstadt gibt viel, sie nimmt und verlangt aber auch viel :(

  2. Man bleibt halt nie der Alte, das ist ja das spannende daran. Man ändert sich und damit auch die Bedürfnisse. Stadt ist schön, aber wenn man erstmal raus ist merkt man, dass so ein Kiez ein Mikrokosmos ist der sich selbst manchmal ein bisschen zu wichtig nimmt und an der Außenwelt vorbei lebt.

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